Die Verfügbarkeitsheuristik ist eine mentale Abkürzung: Wie wahrscheinlich oder häufig etwas ist, schätzt man danach, wie leicht einem Beispiele einfallen. Was schnell in den Sinn kommt, wirkt häufig; was man nicht erinnert, wirkt selten. Meist ist das ein brauchbarer Trick, doch weil lebhafte, jüngste oder emotionale Ereignisse besonders leicht abrufbar sind, führt er systematisch in die Irre. Beschrieben haben ihn Tversky und Kahneman 1973.
Die Leichtigkeit des Erinnerns hängt nicht nur von der echten Häufigkeit ab, sondern auch davon, wie auffällig ein Ereignis ist. Flugzeugabstürze sind extrem selten, aber jeder erhält massive Medienberichterstattung, ist also leicht abrufbar. Autounfälle sind viel häufiger, aber alltäglich und selten in den Nachrichten. Ergebnis: Viele fürchten das Fliegen mehr als das Autofahren, obwohl das Risiko umgekehrt liegt.
| Effekt | Beispiel |
|---|---|
| Seltenes, Dramatisches überschätzt | Terror, Flugzeugabsturz, Hai-Angriff |
| Häufiges, Stilles unterschätzt | Herzkrankheit, Hausunfälle |
| Jüngstes überbewertet | nach einer Katastrophe steigt die Angst kurz stark |
| Selbst-Erlebtes überbewertet | „Mir ist das passiert, also ist es häufig" |
Die Verfügbarkeitsheuristik ist ein Paradebeispiel für eine Abkürzung von System 1: schnell, meist nützlich, aber verzerrbar. Sie ist eng verwandt mit der Base-Rate Fallacy (auffälliger Einzelfall schlägt abstrakte Grundrate) und beeinflusst über die Wahrnehmung seltener Ereignisse auch Entscheidungen im Sinne der Prospect Theory. Das Gegenmittel ist, bewusst nach echten Zahlen zu fragen statt nach dem ersten Beispiel im Kopf.