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Graph Theory und Netzwerke

Ein Graph ist die einfachste Sprache für Beziehungen: Knoten (Punkte) verbunden durch Kanten (Linien). Damit lassen sich Freundschaften, Straßen, das Internet, Proteine oder Stromnetze beschreiben. Die Netzwerkwissenschaft untersucht, welche Strukturen reale Netzwerke gemeinsam haben und warum sie so überraschend robust und zugleich verletzlich sind.

Die Bausteine

A B C D Kante Knoten = Punkt (A, B, …) Kante = Verbindung Grad = Zahl der Kanten (B hat Grad 3) Pfad = Kette von Kanten A–B–D
Knoten, Kanten, Grad (Anzahl Verbindungen) und Pfad das Vokabular der Graphentheorie.

Nicht alle Netzwerke sind gleich

Ein zufälliges Netzwerk (jeder verbindet sich mit gleicher Wahrscheinlichkeit) hat Knoten von recht ähnlichem Grad die Gradverteilung ist glockenförmig. Reale Netzwerke sehen anders aus: Wenige Knoten haben extrem viele Verbindungen (Hubs), die meisten nur wenige. Das nennt man ein skalenfreies Netzwerk; seine Gradverteilung folgt einem Potenzgesetz.

Zufallsnetz: Glocke typischer Grad Skalenfrei: Potenzgesetz viele mit wenig wenige Hubs
Links: Im Zufallsnetz häufen sich mittlere Grade. Rechts: Skalenfreie Netze haben eine lange Schwanz seltene, aber massiv vernetzte Hubs.

Hubs und die „kleine Welt"

Hubs erklären das Phänomen der kleinen Welt: Obwohl das Netz riesig ist, sind zwei beliebige Knoten über erstaunlich wenige Schritte verbunden („six degrees of separation"). Die Hubs wirken als Abkürzungen, die weit entfernte Teile zusammenziehen.

Hub
Ein skalenfreies Netz: Wenige stark vernetzte Hubs halten viele schwach vernetzte Knoten zusammen und verkürzen alle Wege.

Robust und verletzlich zugleich

Die Hub-Struktur hat eine tiefe Konsequenz für die Widerstandsfähigkeit. Fallen zufällige Knoten aus, trifft es fast immer unwichtige Blätter das Netz bleibt intakt. Fallen aber gezielt die Hubs aus, zerfällt es schlagartig. Skalenfreie Netze sind robust gegen Zufall, aber fragil gegen Angriff.

Zufallsausfall → stabil Angriff auf Hub → Zerfall Netz zerfällt in Inseln
Derselbe Netzwerktyp: Der Verlust eines zufälligen Knotens tut kaum weh, der Verlust eines Hubs zerreißt das Netz.

Anwendungen

NetzwerkKnotenKanten
Soziales NetzMenschenFreundschaften
Internet / WebSeiten / RouterLinks / Leitungen
GehirnNeuronenSynapsen
EpidemiePersonenKontakte
StromnetzStationenLeitungen

Weil so viele reale Systeme dieselbe skalenfreie Struktur teilen, überträgt sich Wissen von einem Feld aufs andere etwa von der Netzwerkrobustheit auf die Ausbreitung von Epidemien (Network Dynamics).

Quellen

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